Crazy Heart
Im KinoKinostart: 02.07.2010

Crazy Heart

Auf dem gleichnamigen Roman von Thomas Cobb basierendes Drama über einen Mann, der keine Chance hat und sie dennoch nutzt: Für seine Darstellung eines ausgebrannten, desillusionierten Country-Musikers wurde US-Star Jeff Bridges 2010 mit dem Oscar als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.
Drama, Musikfilm USA/2009 110 min.
Darsteller: Jeff Bridges, Maggie Gyllenhaal, Robert Duvall, Colin Farrell, Beth Grant Regie: Scott Cooper


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57 Jahre ist Bad alt, dennoch tourt er immer noch mit seinen alten Nummer-Eins-Hits durch drittklassige Bierkaschemmen und heruntergekommene Bowling-Schuppen. Sein grölendes Publikum ist so alt wie er - und ebenso desillusioniert und trinkfreudig. Bald wird er völlig in Vergessenheit geraten sein - lediglich wenn er für seinen Protegé Tommy Sweet ein Konzert eröffnen darf, fühlt sich der ausgebrannte Country-Sänger an alte, bessere Tage erinnert.

Bad kämpft sich von einem alkoholumnebelten Gig zum anderen, bis er eines Tages in Santa Fe auf Jean Craddock trifft. Die Journalistin ist eine Frau ganz nach seinem Geschmack, mehr noch, er verliebt sich Hals über Kopf in sie. Aber Bad kennt sich selbst nur zu gut und macht der Frau und sich keine Hoffnungen. Auch Jean, alleinerziehende Mutter mit viel Lebenserfahrung und noch mehr Enttäuschungen, setzt keinen Cent auf den abgetakelten Musiker.

Dennoch - Liebe folgt ihren eigenen Gesetzen, und so können die beiden nicht von einander lassen. Aber kann das gut gehen? Bad kann schließlich kaum auf sich selbst aufpassen - wie soll er sich also um jemand anderen kümmern? Trotzdem: Er gibt sich Mühe, kämpft und ist entschlossen, seine letzte Chance aufs Glück zu nutzen. Dabei muss er erkennen, wie schwierig der Weg zurück ins "normale" Leben ist und was echter Herzschmerz bedeutet…

Fazit: Brillant gespieltes Musikerportrait

Ob "Walk the Line" oder "The Wrestler" – auf realen Ereignissen basierende oder fiktive Biopics über gebrochene Helden kennt man aus den Produktionsschmieden Hollywoods zur Genüge. "Crazy Heart" vermag diesem Subgenre zwar keine neuen Facetten hinzuzufügen, bietet aber dennoch einen triftigen Grund, warum man den Film auf keinen Fall verpassen sollte – und der heißt Jeff Bridges. Bridges, der den meisten Zuschauern wohl am lebhaftesten als Titelheld der Coen Brothers-Komödie "The Big Lebowski" in Erinnerung ist, legt in "Crazy Heart" die bis dato beste Performance seiner Karriere hin und wurde für seine Darstellung des ausgebrannten Countrysängers Bad Blake heuer völlig zu Recht mit einem Oscar belohnt. Nuancenreich, einfühlsam, aber auch schonungslos verkörpert Bridges den gescheiterten Antihelden und dominiert mit seiner eindringlichen Performance den gesamten Film – eine wahrlich Oscar-würdige Tour de Force, die noch durch die Tatsache getoppt wird, dass Bridges die von Bad Blake dargebotenen Songs tatsächlich selbst eingesungen hat. Dass der Soundtrack unter anderem von Grammy- und Oscar-Gewinner T Bone Burnett komponiert wurde, der bereits für den Score von "Walk the Line" und "O Brother, where art thou" verantwortlich zeichnete, macht "Crazy Heart" zudem nicht nur schauspielerisch, sondern auch musikalisch zu einem wahren Genuss. Abgesehen von den wunderbaren Songs und den großartigen schauspielerischen Leistungen – neben Jeff Bridges vermag vor allem Maggie Gyllenhaal zu überzeugen – ist "Crazy Heart" zwar nicht gerade ein großer Wurf geworden; dafür bleibt das Musikerportrait handwerklich zu uninspiriert, verläuft erzählerisch weitgehend überraschungsarm und hangelt sich auf allzu vorhersehbare Weise an klassischen Drehbuchstationen entlang. Dass sich Scott Cooper in seinem Regiedebüt aber auf einen recht schlichten, zurückhaltenden Inszenierungsstil beschränkt, gibt den Schauspielern andererseits viel Raum, um sich zu entfalten und der wenig originellen Geschichte Leben einzuhauchen. Dem herkömmlichen dramaturgischen Grundschema und der erzählerischen wie inszenatorischen Einfallslosigkeit zum Trotz ist "Crazy Heart" daher ein wirklich sehenswerter Film geworden, der dank des wunderbaren Zusammenspiels von musikalischer und schauspielerischer Brillanz lange nachwirkt.
  • Kritiken
"Schöner Schauspielerfilm"
Nach atmosphärischem Beginn wirken einige Drehbuchwendungen wie einschlägige Zugeständnisse, doch die musikalische und schauspielerische Hingabe kompensieren das locker - trotz einiger Schwächen ist "Crazy Heart" ein schöner, erwachsener Film.
"Zurückhaltend und humorvoll"
Scott Cooper erzählt in seinem ersten Spielfilm eine Geschichte, deren Grundmelodie leicht falsch klingen könnte, würde hier nicht mit Zurückhaltung, Detailliebe und einer feinen Dosis Humor gearbeitet - keine Kleinigkeit, die Cooper da gelingt.
"Höchst gelungenes Drama"
Es sind die sonnendurchfluteten Landschaften und der sporadische Humor, die den Film davor bewahren, ins allzu Deprimierende zu kippen. Ansonsten lebt "Crazy Heart" von den starken Auftritten der Darsteller - als Gesamtleistung ein höchst gelungenes Drama.
"Sehenswerter Film"
Neu ist das, was Scott Cooper in seinem Regiedebüt vorführt, nicht – aber "Crazy Heart" ist dank seiner glänzend aufgelegten Darsteller und der exzellenten Musik ein sehenswerter Film geworden; trotz etwas platter Handlung und eines etwas allzu verbindlichen Happy Ends.


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