Blind Side - Die große Chance
Im KinoKinostart: 26.03.2010

Blind Side - Die große Chance

Bestsellerverfilmung, die auf wahren Begebenheiten beruht: In einer Mischung aus Sportfilm und Sozialdrama erzählt "Blind Side" die Geschichte von Michael Oher, dem ein beispielloser Aufstieg vom obdachlosen Teenager zum umjubelten Footballstar gelang. Mit dabei: US-Star Sandra Bullock.
Drama USA/2009 129 min.
Darsteller: Sandra Bullock, Quinton Aaron, Tim McGraw, Kathy Bates, Lily Collins Regie: John Lee Hancock


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Der Teenager Michael Oher ist praktisch obdachlos und auf sich allein gestellt, als ihn Leigh Anne Tuohy zufällig auf der Straße sieht. Nachdem sie erfährt, dass der junge Mann, der da im eisigen Winter nur in kurzen Hosen und T-Shirt herumläuft, in die Schulklasse ihrer Tochter geht, besteht sie darauf, ihn aus der Kälte zu holen. Ohne zu zögern lädt sie ihn ein, die Nacht im Haus der Tuohys zu verbringen.

Aus der spontanen, menschlichen Geste wird schnell gegenseitige Zuneigung. Es dauert nicht lange, da gehört Michael zur Familie - trotz großer sozialer und kultureller Unterschiede. Anfangs fällt es dem Teenager sehr schwer, sich in seiner neuen Umgebung zurecht zu finden - doch die Familie hilft Michael unermüdlich und auf jede erdenkliche Weise, sein eigenes Potential zu erkennen und auszuschöpfen.

Die Tuohys wiederum gelangen durch Michaels sanfte, liebenswerte Art zu wertvollen Selbsterkenntnissen, die ihnen sonst womöglich verborgen geblieben wären: Sie erkennen, wie sehr sie bisher vom Glück verwöhnt wurden und beginnen, das Leben aus einem völlig anderen Blickwinkel zu betrachten. Michael Oher macht schließlich eine beispiellose Karriere: Er steigt zum umjubelten nationalen Footballstar auf…

Fazit: Gut gespielt, aber ideologisch fragwürdig

Es ist eine Geschichte, fast zu schön um wahr zu sein – und genauso wird sie auch erzählt: Die auf realen Begebenheiten basierende Story von Michael "Big Mike" Oher erzählt "Blind Side" als gefälliges Aufsteigermärchen, das mit altbekannten Tränendrücker-Zutaten arbeitet und dem Zuschauer eine christlich-konservative Botschaft serviert, die Nächstenliebe und Familienwerte zelebriert. Warmherzig und hoffnungsvoll im Grundton, vermag die Mischung aus Sozial-Rührstück und Feel-Good-Movie als ebenso unterhaltsamer wie berührender Wohlfühlfilm sicherlich so manches Zuschauerherz zu bewegen – doch "Blind Side" hinterlässt durch seine stereotype Darstellung von Rassenverhältnissen auch einen etwas bitteren Nachgeschmack: So steht zum einen gar nicht die vermeintliche Hauptperson Michael Oher im Zentrum der Geschichte – vielmehr ist es die von Sandra Bullock dargestellte Leigh Anne Tuohy, die hier zur Heldenfigur hochstilisiert wird. Sie darf die edle Südstaatenschönheit mit großem Herz geben, die dem naiven schwarzen Riesen den rechten Weg weist. Oher wird dadurch zur Nebenfigur degradiert und zu allem Überfluss auch noch den ganzen Film hindurch wie ein kleines Kind behandelt: Er wird als gutmütiges, aber etwas hilfloses Riesenbaby porträtiert, das es erst durch die Aufnahme in die von christlichen Werten durchsetzte, bessere - und vor allem: weiße –Gesellschaft zu etwas bringen kann. Dass der Rest der afroamerikanischen Besetzung zudem lediglich aus drogensüchtigen oder kriminellen Figuren zu bestehen scheint, gibt einem etwas zu denken. Aufgrund der groben Klischees und der zutiefst amerikanischen Moral verspielt die Aufsteigergeschichte letztlich viel von ihrem Potential – schade, denn vor allem schauspielerisch hat "Blind Side" einiges zu bieten: Sandra Bullock schafft es tatsächlich und entgegen allen Erwartungen, ihre Figur mit Würde, Charisma und ohne übertriebene Dramatik zu verkörpern. Das könnte immerhin ein Grund sein, sich "Blind Side" im Kino anzusehen.
  • Kritiken
"Schauspielerisch bemerkenswertes Feelgood-Movie"
Der amerikanischen Traums funktioniert in diesem Film unterhaltsam, aber genretypisch allzu reibungslos - doch dank Sandra Bullocks souverän getragener Goldgürtel und Föhnwellen ist "Blind Side" optisch - und natürlich schauspielerisch - bemerkenswert.
"Sandra Bullocks in einer ihrer besten Rollen"
Mit Humor und Feingefühl wird hier eine wahre Geschichte erzählt - vor allem wegen Sandra Bullock lohnt es sich, diesen Film anzusehen, dem es ansonsten manchmal an dramaturgischem Schliff fehlt und dessen andere Schauspieler alle neben ihr verblassen.
"Rührend erzählt in unangenehm gönnerhaftem Ton"
"Blind Side" ist Routine und Retorte, handwerklich sauber exekutiert. Das ist alles recht und rührend, wird nur leider im gönnerhaften "Onkel Tom"-Ton vermittelt - in Zeiten eines schwarzen Präsidenten eine mehr als fragwürdige, rückständige Erzählhaltung.


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